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Corona: Die Psyche pflegen

30.03.2020
Isabel Hempel
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Neben der Sorgfalt im Umgang mit dem Körper braucht auch unsere Seele etwas, damit wir heil durch die Corona-Krise kommen. Wie wäre es, die Vorschriften und Vorschläge zur Körperhygiene auszuweiten auf eine gute Psychohygiene? Lebenslagen-Coach Matthias Könning gibt drei wertvolle Tipps:

Die Hände waschen: Welche Stimmung geben wir weiter an andere?

Unsere Hände leisten uns viele treue Dienste leisten. Ohne sie wären wir völlig ohnmächtig und auf fremde Hilfe angewiesen. Du kannst dir für einen Augenblick bewusst werden, was du jeden Tag mit deinen Händen machst. Wenn du dir die Hände wäschst, um dich vor Corona-Viren und anderen Krankheitserregern zu schützen, dann kannst du deinen Händen dankbar sein, dass sie dich unterstützen bei allem, was du machst.

Mit deinen Händen empfängst du und gibst etwas weiter. Du kannst Lebensförderndes entgegennehmen und Feindliches weiterreichen. Wo im Leben unterstützt du dich und andere? Wo verbreitest du schlechte Laune und Feindseligkeit? Wie mit deinem Händen kannst du auch freundliche Gedanken empfangen und weiterschenken.

Und du kannst dir bewusst machen, wie du sonst mit deinem Körper umgehst. Was nimmst du an Nahrung zu dir? Bewegst du dich zu wenig oder zu viel? Was würde dir jetzt gut tun? Die Hände können im Moment für das Ganze stehen: Behandle deine Hände mit Sorgfalt und den Rest von dir auch. 

 

Soziale Distanz: Jetzt gerade Abstand halten oder Nähe schaffen

Wie nimmst du die Nähe und die Distanz zu den Menschen wahr? Manche Menschen kommen dir auch sonst zu nahe und du fühlst dich unwohl. Manchen Menschen rückst du auf die Pelle und sorgst selber für Unbehagen. Jeder Mensch braucht einen Raum um sich herum, der für Sicherheit und Wohlbefinden sorgt.

Wie oft überschreiten wir im Alltag solche unsichtbaren Grenzen. Da gibt es ein Gedrängel an der Supermarktkasse. Da wollen alle gleichzeitig die Veranstaltung verlassen und es kommt manchmal zu sehr unangenehmen Körperkontakten mit völlig fremden Menschen.

Auf der anderen Seite gibt es aber vielleicht auch das Bedürfnis nach mehr Nähe. Nähe zu den Lieblingsmenschen. Wenn es körperlich im Moment nicht so gut geht – vielleicht geht es gut emotional? Du kannst an die Menschen denken, die du liebst und ihnen gute Gedanken schicken.

In den Tagen von Corona kannst du dir Zeit nehmen für die Menschen, die du verloren hast. Die so weit auf Abstand sind, dass du lange nicht mehr an sie gedacht hast.

Wie nahe dürfen Menschen dir überhaupt kommen? Magst du Distanz und bist froh, dass das jetzt endlich mal geht. Dass dir niemand zu nahe kommt? In den nächsten Tagen und Wochen hast du die Möglichkeit, darüber einmal intensiver nachzudenken und dich neu zu finden in den Fragen von guter Nähe und Distanz.

 

 

Eruption beim Niesen und Husten: Wie gehen wir mit aufgestauter Wut um?

Beim Husten und Niesen schleudern wir ja alle Viren und Bakterien in die Umwelt. Das kommt in der Regel sehr eruptiv. Die Armbeuge ist ein guter Ort, das schädliche Material aufzusammeln.

Manchmal sammelt sich in unserem Inneren Ärger und Wut an. Du kannst jetzt sehr wütend und ärgerlich werden, weil dein Alltag für Tage und Wochen unterbrochen wird. Freiwillig möchtest du nicht zu Hause bleiben. Du hättest gerne deine gewohnten Abläufe wieder.

Da kann es passieren, dass du schon mal aus der Haut fahren möchtest. Du wirst immer dünnhäutiger und lässt diesen Ärger heraus an deiner Partnerin, deinem Partner oder deinen Kindern. Es entsteht eine aggressive Stimmung, die immer mehr zu eskalieren droht. Der Ärger und die Wut sind ja durchaus berechtigt. So, wie du hustest oder niest, kann der Ärger sich seinen Weg suchen.

Du kannst dir aber überlegen, wo ein guter Ort für deine Wut wäre. „Rotzt“ du die Menschen an, die du eigentlich liebst? Oder gibt es eine andere Möglichkeit für dich, dir Luft zu verschaffen. Power dich lieber aus beim Jogging. Hau auf einen Sandsack oder ins Kissen. Schrei im Wald die Bäume an. Bewege deinen Körper mit anderen kräftezehrenden Übungen.

 

Matthias Könning pme Familienservice

Matthias Könning ist Systemischer Supervisor und Familientherapeut (DGSF), ausgebildeter Konfliktklärungshelfer und Fachberater Lebenslagen-Coaching beim pme Familienservice.